Zahlreiche Stuckornamente schmücken die Fassade – was beim Sanieren Feingefühl verlangte.
Die Hausbewahrer
Ein Münchner Team saniert im Stadtteil Schwabing ein Stück Baugeschichte
In der Martiusstraße, einer der architektonisch markantesten Straßen Schwabings, reiht sich ein denkmalgeschütztes Mietshaus ans nächste. Sie entstanden um 1900 als geschlossenes Jugendstil-Ensemble. Seit kurzem sticht eins der Häuser besonders heraus: Ein Team von Heinrich Schmid München hat seine Fassade aufwändig saniert. Stuck, Balkone und die reiche Ornamentik zeigen sich seither wieder so prächtig wie vor über 100 Jahren. Für Malermeister und Techniker Richard Hehn ist das Projekt auch eine Rückkehr zu den eigenen Anfängen. „Ich habe vor fast 40 Jahren in Schwabing bei Heinrich Schmid meine Lehre gemacht“, erzählt er. Nach langjähriger Selbstständigkeit kehrte er 2024 an den Standort zurück und leitet dort ein Team mit zehn Mitarbeitern.
Beim Instandsetzen der 600 Quadratmeter großen Fassadenfläche galten strenge Vorgaben. „Wegen des Ensembleschutzes durfte baulich nichts verändert werden, alles musste hinterher so aussehen wie damals“, sagt Hehn. Zum Einsatz kamen nur mineralische Materialien. „Alle Farbtöne, Putze und Techniken haben wir eng mit dem Denkmalschutz abgestimmt.“ Zuvor dokumentierten er und seine Mitarbeiter vom Gerüst aus alle Schadstellen und gingen diese mit dem Architekten durch.
Nach dessen Freigabe legten sie beschädigte Bereiche frei, grundierten und verputzten sie – stets so, dass sich die neuen Flächen unauffällig einfügen. „Ein gewisses Händchen ist nötig, um die Details herauszuarbeiten“, sagt Geselle Kiril Stier. „Man verputzt ja nicht flächig, sondern arbeitet kleinteilig, damit sich alt und neu optisch angleichen.“ Danach erhielt die Fassade einen quarzsandhaltigen Grundanstrich, der Haarrisse kaschiert und für ein gleichmäßiges Erscheinungsbild sorgt. An den Fensteranschlüssen glichen die Kollegen mit einer Beschichtung die Übergänge an, bis die glatten Fugen optisch verschwanden. Der Schlussanstrich der Fassade erfolgte im originalgetreuen Farbton. Francesco Ciccone, im Team der Spezialist für Stuck-, Putz- und Maurerarbeiten, kümmerte sich um die Balkone. An den Brüstungen entfernte er alte Farbschichten und legte die Flächen bis auf den Naturstein frei. Außerdem erneuerte er den Estrich aller Balkonböden und beschichtete diesen mit schützendem Flüssigkunststoff. Fast jedes zweite Fassadenprojekt, das Richard Hehn in München betreut, betrifft denkmalgeschützte Häuser. „In den letzten Jahren ist das deutlich mehr geworden“, sagt er. Und wer in einer belebten Straße wie der Martiusstraße arbeitet, bleibt nicht unbemerkt: Ein Hausbesitzer aus der Nachbarschaft hat sich bereits gemeldet – auch er wünscht sich eine Instandsetzung. Eine schöne Bestätigung für das Team.